Luminary ist seit dem 11. August 2026 auf Steam als Early Access erhältlich und die ersten Spielerstimmen zeichnen ein ziemlich gemischtes Bild. Was auf dem Papier wie ein vielversprechendes Co-op-Action-RPG klingt, entpuppt sich beim genauen Hinsehen als ein Spiel, das in weiten Teilen stark an Enshrouded erinnert. Nicht nur optisch, auch von der Spielmechanik her zieht Luminary deutliche Anleihen bei seinem größeren Vorbild. Ob sich der Kauf aktuell lohnt, oder ob man besser noch wartet, klären wir in diesem ausführlichen Test.
Bevor wir in die Details gehen, eines vorweg: Luminary wird von nur zwei Entwicklern unter dem Studio-Namen Refractive Entertainment gebaut. Das ist eine beachtliche Leistung und erklärt gleichzeitig vieles über den aktuellen Zustand des Spiels. Wer ein fertiges Produkt erwartet, wird aktuell enttäuscht. Wer jedoch versteht, dass hier ein kleines Team eine große Vision verfolgt, könnte nachsichtiger urteilen. Aber Nachsicht hin oder her, einige Dinge muss man trotzdem klar benennen.
Was ist Luminary überhaupt?
Luminary ist ein Solo- oder Co-op-Action-RPG für bis zu drei Spieler, das sich selbst als OpenZone-ARPG bezeichnet. Entwickelt von Refractive Entertainment, spielt das Spiel in einer Welt, die vor Jahrhunderten von einer primalen Magie verdorben wurde. Diese Magie hat auch eine strahlende Energie erschaffen, die in reinen Kriegern, den sogenannten Luminaries, ruht. Diese kämpfen darum, das Land zurückzuerobern. Das klingt vertraut? Genau. Die Prämisse, die Spielmechanik, das Aufbau-Element mit der Stadt, das Crafting, die Gilden aus Bergbau, Fischfang und Sammeln: Wer Enshrouded gespielt hat, wird hier ein Déjà-vu nach dem nächsten erleben.

Luminary als Enshrouded-Klon: Wo die Parallelen liegen
Wer Enshrouded kennt, wird in Luminary sofort heimisch. Eine von Dunkelheit bedrohte Welt, die es zurückzuerobern gilt. Ein Stadt-Aufbausystem, bei dem man NPCs wie Schmied, Rüstungsmacher und Koch rettet und deren Stufen aufwertet. Eine offene Welt mit Lager feindlicher Kreaturen, die man zerstören muss. Crafting, Ressourcensammeln, das Erforschen von Höhlen und das Freischalten von Schnellreisepunkten. Sogar das Konzept von Lebensbäumen, die man befreien muss, fühlt sich an wie ein direkter Verwandter der Flamme in Enshrouded.
Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Enshrouded ist ein hervorragendes Spiel und wenn ein kleines Entwicklerteam sich davon inspirieren lässt, kann etwas Gutes dabei herauskommen. Aber Luminary tut derzeit wenig, um sich als eigenständiges Spiel zu profilieren. Die Mechaniken sind fast identisch, die Weltstruktur ist ähnlich, sogar die UI-Elemente und das Fortschrittssystem wirken wie ein Klon. Wer hofft, hier etwas Neues zu finden, wird wohl oder übel feststellen, dass Luminary die Enshrouded-Formel fast eins zu eins kopiert, ohne deren derzeitigen Umfang oder Tiefe zu erreichen.
Grafik und Atmosphäre: das Auge ist nicht ganz mit

Positiv zuerst: Die Grafik von Luminary ist tatsächlich ansprechend. Die Farben sind kräftig, die Beleuchtung stimmungsvoll, und die Gebäude, die kleine Stadt mit ihren Marktständen und die Festungen sehen hübsch aus. Ein Spieler, der sich im Steam-Bereich äußerte, beschrieb das so: die Gebäude der kleinen Stadt, die Marktstände dort, die Festungen, das alles gefällt grafisch sehr gut. Das kann ich aus den Screenshots und Videos nur bestätigen.
Aber hübsch allein reicht nicht. Ein Spiel lebt von seinem Inhalt und davon, ob sich die Welt lebendig anfühlt. Und genau da liegt derzeit das Problem. Die Welt ist weit und schön, aber sie fühlt sich an wie eine leere Bühne, auf die noch die Schauspieler kommen müssen.
Die Welt ist leer und repetitiv
Das ist einer der Punkte, an dem die ersten Spielerstimmen besonders kritisch werden. Ein Nutzer, der das Spiel intensiv getestet hat, beschrieb es so: man läuft immer wieder durch die gleichen Goblin-Lager mit der exakt selben Besatzung. Ein Bogenschütze schießt sichtbar bis zu drei Meter daneben und das zählt trotzdem als Treffer. Das ist frustrierend und lässt das Spiel unfertig wirken.
Dazu kommt, dass es kaum Abwechslung in der Fauna gibt. Man findet ein paar Rehe, ein paar Schweine und ansonsten die erwähnten Goblin-Camps. NPCs fehlen komplett, und wo keine NPCs sind, gibt es logischerweise auch keine Quests. Die Karte ist kaum hilfreich, weil man keinen Überblick über den eigenen Standort hat. Eine Minimap oder ein Kompass fehlen ebenfalls.
Alpha-Build als Early Access verkauft?
Hier wird es richtig interessant und auch etwas kritisch. Ein Spieler, der Luminary bereits in der Alpha gespielt hat, meldete sich zu Wort und äußerte sich deutlich. Seine Kernbotschaft: es gibt keine Verbesserung zur Alpha oder zur Demo. Schlimmer noch, im Spiel selbst steht noch „Alpha Build“. Das als Early Access zu verkaufen, nannte er reiner Betrug.
Das ist eine harte Aussage, aber sie hat Hand und Fuß. Early Access bedeutet normalerweise, dass ein Spiel in einem spielbaren Zustand ist, bei dem man schon ahnen kann, was einmal daraus werden soll. Bei Luminary hat man eher das Gefühl, eine Alpha-Version zu spielen, der jemand ein Early-Access-Schildchen umgehängt hat. Die Spielmechanik funktioniert grundsätzlich, aber der Inhalt fehlt fast vollständig.

Skills und Fortschritt: Alles nach fünf Minuten?
Ein weiterer Kritikpunkt, der bei mehreren Spielern auf Unverständnis stieß, ist das Skillsystem. Laut einem Spieler steht bei 95 Prozent der Skills „noch nicht verfügbar“. Insgesamt gibt es bisher nur zwei Skills, die man bereits auf Level 3 freischaltet. Das bedeutet, dass man nach etwa fünf Minuten Gameplay quasi alles freigeschaltet hat, was es an spielerischer Tiefe gibt.
Das ist für ein Action-RPG ernüchternd. Der Reiz des Genres liegt doch darin, dass man seinen Charakter entwickelt, neue Fähigkeiten freischaltet und sich über Stunden hinweg verbessert. Wenn das nach wenigen Minuten erledigt ist, bleibt nicht viel, das einen langfristig im Spiel hält. Zumal die Kämpfe aktuell nicht tief genug sind, um allein durch den Reiz des Kämpfens zu überzeugen.
Co-op: Potenzial, aber mit Macken
Das ist der Bereich, in dem Luminary tatsächlich funktionieren könnte, wenn nachgebessert wird. Ein Spieler, der mit Freunden im Co-op unterwegs war, hatte viel Spaß, berichtete aber auch von einigen Problemen. Positiv: das Wiederbeleben funktionierte reibungslos ohne großen Ladebildschirm, und es gab kaum Verbindungsabbrüche. Das Drop-In-Drop-Out-System scheint stabil zu laufen.
Negativ fiel auf, dass die ersten Kisten nicht für alle Spieler gleichzeitig zu plündern sind. So kann sich beispielsweise nur einer den Bogen aus der ersten Kiste nehmen, was besonders am Anfang ärgerlich ist. Außerdem funktionierte das Wiederbeleben nicht am zuletzt aktivierten Baum, was zu Frust führte. Das System ist also im Ansatz gut, braucht aber noch Arbeit an den Details.
Was fehlt: Klettern, Orientierung, NPCs
Ein besonders oft erwähnter Wunsch der Spieler betrifft das Klettern. In einer Welt, die auf vertikale Erkundung setzt und in der man Kisten oder Zwergenstatuen hört, aber nicht an sie herankommt, weil sie auf oder in einem Turm liegen, fehlt die Möglichkeit, zu klettern. Das war für mehrere Spieler frustrierend und sollte laut ihren Feedback schnell nachgerüstet werden.
Auch bei der Orientierung hapert es. Die Karte ist unbrauchbar, es gibt keine Minimap und keinen Kompass. In einer offenen Welt, die darauf ausgelegt ist, erkundet zu werden, ist das ein erheblicher Mangel. Man verliert schnell den Überblick und rennt ziellos durch eine Welt, die ohnehin schon leer ist.
Und dann wären da noch die NPCs. Ohne NPCs gibt es keine Quests, ohne Quests gibt es keinen narrative Rahmen und ohne Rahmen fühlt sich das Spiel an wie eine technische Demo. Die Entwickler versprechen, dass die Stadt sich beleben wird, aber im aktuellen Zustand ist sie eine Geisterstadt mit hübschen Fassaden.
Enshrouded im Vergleich: Was Luminary noch lernen muss
Wenn man Luminary direkt mit Enshrouded vergleicht, wird klar, wie groß die Lücke noch ist. Enshrouded bietet eine dichte, handgemachte Welt mit unzähligen Dungeons, Bosskämpfen, einem ausgereiften Bausystem und Dutzenden von Stunden Inhalt. Die NPCs sind nicht nur Dekoration, sondern eröffnen Crafting-Stationen, geben Quests und haben Persönlichkeiten. Die Welt fühlt sich lebendig an.
Luminary hat davon derzeit nur Bruchstücke. Die Stadt-Aufbau-Mechanik ist angelegt, die NPCs sind konzeptionell da, aber es fehlt die Ausgestaltung. Die Welt ist groß, aber leer. Die Kämpfe funktionieren, aber ohne Tiefe. Die Co-op funktioniert, aber ohne Feinschliff. Das Potenzial ist erkennbar, aber der Abstand zu Enshrouded ist deutlich.
Was die Steam-Reviews sagen
Auf Steam zeigt Luminary aktuell eine Bewertung von „Mostly Positive“ mit 73 Prozent positiven Reviews aus 146 Bewertungen. Das ist eine gemischte Bilanz. Ein Teil der Spieler lobt die Grundidee und die Grafik, ein anderer Teil kritisiert scharf den geringen Inhalt und den unfertigen Zustand.
Ein Spieler, der eher positiv gestimmt ist, schrieb, dass er das Spiel trotz des reinen Alpha-Charakters wirklich angetan sei. Er bereut den Kauf keineswegs und findet, das Spiel hat das Potenzial zu einer echten Perle. Natürlich sei im Moment noch viel Luft nach oben, aber eine Perle sei auch nicht von heute auf morgen schillernd, groß und rund in ihrer Muschel. Das ist eine schöne Metapher und eine faire Haltung, solange man sich bewusst ist, dass man aktuell ein unfertiges Produkt kauft.
Auf der anderen Seite steht der Spieler, der das Spiel in der Alpha gespielt hat und keine Verbesserung feststellen konnte. Er rät stark vom Kauf ab und spricht von Betrug, weil das Spiel noch „Alpha Build“ anzeigt. Diese Gegenstimmen sind wichtig, weil sie die Realität einzeichnen, die hinter der hübschen Fassade steckt.
Systemanforderungen und Preis
Luminary kostet im Early Access regulär 20 Euro, derzeit gibt es eine Einführungsrabatt von 15 Prozent, sodass der Preis bei 17 Euro liegt. Die Mindestanforderungen sind mit einem Intel i7 8700k, 16 GB RAM und einer GTX 1080 moderat. Empfohlen wird ein AMD Ryzen 9 3900X mit einer RTX 2080. Das Spiel benötigt 20 GB Festplattenspeicher und läuft nur unter Windows 10 oder 11.
Für ein Spiel, das von einem Zwei-Personen-Team entwickelt wird, sind das solide Voraussetzungen. Die Frage ist nur, ob der Inhalt den Preis derzeit rechtfertigt. Bei 17 Euro für ein Spiel, das nach eigenen Aussagen der Entwickler in der Alpha- oder Beta-Phase ist, muss man sich schon fragen, ob man nicht besser wartet, bis mehr Inhalt nachgeliefert wurde.
Fazit: Potenzial ja, aber vom Kauf aktuell abzuraten
Wo stehen wir also? Luminary hat eine schöne Grafik, eine funktionierende Co-op-Mechanik und eine Welt mit Potenzial. Aber das Spiel ist in seinem aktuellen Zustand nicht mehr als eine Alpha-Version, die als Early Access verkauft wird. Die Welt ist leer, die Skills sind fast nicht vorhanden, die NPCs fehlen und die Orientierung ist miserabel.
Wer Enshrouded gespielt hat, wird in Luminary fast alles wiedererkennen, nur in einem deutlich früheren Entwicklungsstadium. Die Parallelen sind unübersehbar und das führt zur Frage, ob Luminary jemals aus dem Schatten seines Vorbilds heraustreten kann. Das hängt ganz davon ab, ob das Zwei-Personen-Team die Ressourcen hat, die fehlenden Inhalte nachzuliefern und dem Spiel eine eigene Identität zu geben.
Meine Empfehlung lautet daher: wartet ab. Beobachtet die Entwicklung, schaut euch die Updates an und entscheidet in ein paar Monaten neu. Die Entwickler scheinen engagiert zu sein und nehmen Feedback ernst. Aber im Moment gibt es einfach zu wenig, um den Preis von 17 Euro zu rechtfertigen, besonders wenn man für ähnliches Geld mit Enshrouded ein deutlich ausgereifteres Erlebnis bekommt. Wer trotzdem zugreifen will, sollte genau wissen, was ihn erwartet: eine unfertige Welt mit schöner Optik und viel Versprechen.
Luminary könnte in ein oder zwei Jahren tatsächlich ein gutes Spiel sein. Die Grundzutaten stimmen, das Handwerk der Entwickler ist respektabel und die Community scheint bereit, zu helfen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, und der aktuelle Early-Access-Release ist eher ein Arbeitsbericht als ein spielerisches Erlebnis.