Rollenspiele schnell durchspielen lohnt sich nicht

Ich oute mich hiermit als Spieler der sich vor der Komplettierung eines Rollenspiels drückt. Ich habe einfach keine Lust die Welt oder Galaxie zu retten. Viel lieber schließe ich noch sämtliche Nebenquests ab oder komplettiere die Sammlung von Karten Artefakten. Mir macht es mehr Spaß noch die Welt zu erforschen in der ich mich befinde, als das Hauptziel des Spieles gnadenlos zu verfolgen.

Ist da vielleicht Muffen sausen oder die Angst zu verlieren.. Nein! Keine Spur. Es ist der Verlust einer liebgewonnenen Spielwelt und die nahende Realisierung ihrer Endlichkeit. Als Link hat man Hyrule irgendwann einmal gerettet aber kann nicht mehr durch den Wald laufen und Rubine sammeln. Als Shepard kann man keine Romanzen mehr durchführen oder noch weitere extraterrestrische Fische für sein Aquarium sammeln. Je mehr man sich sich in eine Spielwelt einlässt desto schwerer fällt der Abschied. Ich nehme ja auch eine Rolle an und nehme am Schicksal der Welt und ihrer Wesen teil. Emotionale Bindung ist da im wahrsten Sinne des Wortes „vorprogrammiert“.

Durchspielen in Spielwelten ist meiner Meinung nach nicht mit Vorteilen versehen. Zwar endet das Game und man hat die Welt gerettet aber es ist eben leider zu ende. Alte Speicherstände zu laden fühlt sich für mich einfach nur Zombie artig an. Schließlich weiß man doch eh wie es ausgeht und es macht dann keinen Sinn mehr sich nochmal in manche Schlachten zu werfen. Das erneute durchspielen mit einem anderen Charakter der einen neuen Skillbaum hat und anders an die Story herangeht ist da manchmal noch eine Rettung. Manche Spielentwickler fördern das indem sie für das erneute durchspielen auf höheren Schwierigkeitsgraden bessere Waffen, Attribute oder Achievements vergeben. So kann man noch etwas mehr vom Spiel bekommen aber dennoch bleibt auch hier bei mir ein durchgekautes Gefühl übrig. Auf den Nachfolger zu warten scheint da die beste Lösung zu sein. Gleiches Spieluniversum und neues Setting. YEAH kann doch einfach nur gut werden oder? Allerdings auch wenn ich bei einer gut verkauften Serie wie Masseffect auf den Nachfolger spekuliere und dann hoffe ein gutes Game zu bekommen, kann ich dennoch irgendeinen Mist bekommen der nicht zum Spielgefühl passt oder einfach nur Schrott ist.

Adventures Games und RPG’s wie Monkey Island oder Stonekeep, Baldurs Gate oder aktuellere wie Dragon Age haben fast alle Nachfolger bekommen aber diese konnten oft das Niveau des Vorgängers nicht halten oder sind einfach katastrophal. Ich sage nur Masseffect 3 und denke an das unglaublich miese Bullshit Ende. Der Entwickler Bioware hat dafür auch die volle Härte der Frustration aller Fans zu spüren bekommen und letztendlich noch ein Ende entwickelt was annehmbarer ist. (Aber trotzdem bescheuert ) Wer sich jetzt die Frage stellt wieso ich das Ende von Masseffect 3 kenne, wenn ich mich eigentlich immer davor drücke abschließend durchzuspielen dem sage ich „Es war der unglaubliche Shitstorm, der mich dazu bewegt hat, um mir selbst eine Meinung darüber zu bilden“. Der DLC Citadel für ME3 ist eine Hommage ans nicht durchspielen. Man verbringt hier noch einige Zeit wie im Urlaubsmodus mit seiner Crew und hat weitere Missionen die man durchführen kann. Es ist hierbei klar, dass der Spieler das Ende des Games bereits kennt und nur noch etwas mehr Zeit in der Spielwelt verbringen will.

Aber unabhängig davon stellt sich mir die Frage was da eigentlich bei mir passiert, dass ich keine Lust habe
ein Spiel zu beenden. Es ist ja schließlich der Sinn eines Spieles dieses erfolgreich zu beenden. Konkret ist es das Wissen darüber, die liebgewonnenen NSC’s nicht mehr zu sehen oder Orte die man sein Heim (Schloss, Raumschiff )nennt. Alle Trophäen und Errungenschaften sind nichts mehr wert, wenn die magischen Worte „GAME OVER“ über den Bildschirm flackern. Dann wird einem bewusst das, dass alles jetzt nichts mehr zählt, da das Spiel zu ende ist. Wie beim wachwerden aus einer Trance geht es dann ungefiltert zurück in die Realität.

Ich bin ein Träumer und möchte so lange es geht träumen oder besser gesagt mich der Illusion hingeben.. 😉

Zum durchspielen bringen mich dann aber noch einige andere „pädagogische“ Gründe. Den vielleicht wichtigsten Punkt eines RPG’s das alles irgendwann einmal endet und nur die Momente und Geschehnisse zählen. Schweren Herzens werde ich sobald ich diesen Artikel geschrieben habe, Dragon Age 2 abschließen und mich von meiner Romanze Merryl verabschieden.

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2 Kommentare

  1. Sehr, sehr, schöner Kommentar! Und so verdammt wahr. Gerade bei den klassischen RPGs (Baldur’s Gate, Neverwinter Nights, die DSA Titel, Kotor, etc.) hab‘ ich mich auch vor’m Ende immer etwas „gedrückt“, einfach weil es dann definitiv vorbei war.

    Viele heutige RPGs sind dahingehend irgendwie Fluch und Segen zugleich:
    sie sind nicht mehr so immersiv, dass ich immer das Bedürfnis habe, ganz tief in diese Spielwelt ein zu tauchen, nehmen mir dadurch aber andererseits auch die zögernde Furcht vor dem abrupten Spielende.

  2. Genau meine Meinung. Finde deinen Blog super. Mache jetzt selber einen. Kannst ja mal vorbei schauen und einen Kommentar hinterlassen :-)

    http://www.games-kauftipps.de

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